Sammlung Haubrok im HAU, Installationsansicht
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Sammlung Haubrok im HAU
Installationsansicht

Die Erde, zur gleichen Zeit halb so klein und doppelt so groß

13.8.2015
HAU Hebbel am Ufer, Berlin

Carol Bove, Christoph Büchel, Matt Calderwood, Ólafur Elíasson, Elmgreen & Dragset, Cerith Wyn Evans, Claire Fontaine, Douglas Gordon, Rodney Graham, Wade Guyton, Jens Haaning, Oliver Laric, Rodney McMillian, Jonathan Monk, Philippe Parreno, Andreas Slominski, Simon Starling, Jan Timme, Danh Vo, Christopher Williams, Heimo Zobernig, Willem de Rooij

Die Erde, zur gleichen zeit halb so klein und doppelt so groß – der Titel der Ausstellung ist eine Textarbeit von Andreas Slominski. Er soll darauf verweisen, dass man die Dinge auch anders sehen kann, man muss es nur wollen. Er verdeutlicht aber auch, dass man für die konzeptuellen Arbeiten der Ausstellung Vorstellungskraft braucht.
Normalerweise erzählen Performer die Geschichten auf der Bühne. Wir möchten Dinge Geschichten erzählen lassen. Aber diese Geschichten, sowie auch die Bedeutung der Dinge, bleiben verborgen, wenn der Kontext nicht aufgedeckt wird.
Zeitgenössische Kunst wird zumeist im White Cube – perfekt und antiseptisch – präsentiert, hauptsächlich um eine optimale Wirkung zu erzielen, die Arbeit im besten Licht erscheinen zu lassen. Hier werden jedoch Bühne und Zuschauersaal zum Ausstellungsraum. Es wird nicht nur die Kunst, sondern das Theater selbst präsentiert.
Der historische Zuschauerraum wird selbst zum Ausstellungsobjekt. Er wird von dem Bouquet V von Willem de Rooij gefeiert. Dieses Blumenbouquet ist das einzige des niederländischen Künstlers, das ohne Einschränkung bei Farbe und Form ausschließlich die Vielfalt der Natur zelebriert.
Auf der Bühne, zwischen der ganzen normalen Bühnentechnik, befinden sich eigentlich nur Gebrauchsgegenstände. Sie sind Kunstwerke, weil die Künstler sie als solche definiert haben. Was sonst unterscheidet die Stecker von Philippe Parreno von denen der Bühnenbeleuchtung? Es gibt Bücherstapel von Carol Bove und Oliver Laric, einen Schlauch von Elmgreen und Dragset und ein Oberhemd sowie einen Zollstock von Andreas Slominski zu sehen. Dazu kommt der verbogene Rahmen eines Design-Stuhls von Wade Guyton und Uhren von Jan Timme und Jens Haaning, die für ganz unterschiedliche Dinge stehen. In der Mitte liegen Fütterungsgeräte für die unterschiedlichsten Haustiere von Rodney McMillian. Es gibt einen billigen Daihatsu Van, der in irgendeiner Verbindung zu der berühmten Lampe von Poul Henningsen zu stehen scheint.
Jede Arbeit erzählt ihre eigene Geschichte, hat ihren ganz speziellen Kontext. Jede könnte aber auch nur ein Ding sein, das nach der letzten Probe auf der Bühne vergessen wurde.
Die Werke stehen nicht auf Sockeln sondern ganz einfach auf dem Boden – so wie echte Bühnen-Performer. Sie befinden sich auf der Drehbühne aber auch auf der angrenzenden Fläche. Die Drehscheibe bewegt sich, wenn auch nur ganz langsam. So verschieben sich Positionen und Relationen zwischen den Arbeiten nahezu unmerklich. Auch die Fotos an den Wänden, Arbeiten von Christopher Williams die ebenfalls technisches Equipment abbilden, haben immer wieder ein neues gegenüber.
Über Allem steht – wie ein Mond – eine Artemide-Lampe von Cerith Wyn Evans. Sie morst einen Text von Theodor Adorno: The stars down to earth.
Der Highlighter von Ólafur Elíasson ist ein wandernder Lichtkegel. Er tastet sowohl die Bühne als auch den Zuschauerraum ab und lenkt so den Blick auf die unterschiedlichsten Details in beiden Welten. Aber ist das nicht genau das, wofür die herkömmliche Bühnenbeleuchtung auch eingesetzt wird? Wo ist der Unterschied zu einem Suchscheinwerfer, der bei jeder Aufführung ein vergleichbares Ergebnis liefert?

Axel Haubrok