Tim Lee, The Goldberg Variations, Aria, BMV 988, 1741, Johann Sebastian Bach (Glenn Gould 1981), Notenblatt (2007)
Tim Lee, The Goldberg Variations, Aria, BMV 988, 1741, Johann Sebastian Bach (Glenn Gould 1981), Notenblatt (2007)
Tim Lee, The Goldberg Variations, Aria, BMV 988, 1741, Johann Sebastian Bach (Glenn Gould 1981), Notenblatt (2007)
Tim Lee
The Goldberg Variations
Aria, BMV 988, 1741
Johann Sebastian Bach (Glenn Gould 1981)
Notenblatt, 2007

Music

11.9. – 28.11.2015
FAHRBEREITSCHAFT, Berlin

Edgar Arceneaux, Phil Collins, Martin Creed, Marino Formenti, Isa Genzken, Rodney Graham, Tim Lee, Christian Marclay, Helmut Mark, Ari Benjamin Meyers, Jonathan Monk, Stephen Prina, Ed Ruscha, Santiago Sierra, Heimo Zobernig

Eröffnung: 10.9.2015, 18 – 21 Uhr
Berlin Art Week: 16.9.2015, 16 – 19 Uhr & 18. – 20.9.2015, 12 – 18 Uhr

Zur Berlin Art Week zeigen wir erstmalig Arbeiten, die sich mit Musik befassen, nachdem wir wenige Wochen zuvor im Hebbel am Ufer eine Ausstellung zum Themenbereich Theater, Performance und Tanz durchgeführt haben.
In den Unterständen ist eine Arbeit von Santiago Sierra installiert. Alle Nationalhymnen der Mitgliedstaaten der europäischen Gemeinschaft werden gleichzeitig gespielt: Eine grausame Kakofonie, die den aktuellen Zustand der Gemeinschaft treffend beschreibt (Europe (national anthems of the 27 states of the European community played simultaneously and continuously)).
Im frisch renovierten Pförtnerhaus wird Rodney Grahams Two movements for prepared Cello gezeigt, in dem Rodney seine Manschettenknöpfe im Cello sucht – sein Kommentar zu den berühmten oben-ohne Performances von Charlotte Moorman.
Daneben befindet sich eine Vitrine mit einem kleinen Büchlein von Ed Ruscha aus den 70er Jahren: Records. In diesem wird pro Doppelseite jeweils eine LP abgebildet: links das Cover, rechts die Platte selbst.
Einen ungewöhnlichen Umgang mit der Platte will auch Christian Marclay. Er hat Record without sleeve produzieren lassen. Die zweite Arbeit Footsteps von ihm geht sogar noch weiter: die LP liegt einfach auf dem Boden. Es wird quasi jeder Schritt aufgenommen.
Im Nachbarzimmer fordert Tim Lee mit einer besonderen Version der Goldberg Variationen von Bach heraus (The Goldberg Variation, Aria, BMV 988, 1741, Johann Sebastian Bach (Glenn Gould, 1981)). Er hat die Noten, die die rechte und die linke Hand spielen, von einander getrennt und auf zwei unterschiedliche Singles pressen lassen. Es bleibt nun Aufgabe des Besuchers, beides wieder korrekt zusammenzuführen.
Stephen Prina untersucht mit seiner Arbeit das Klavierwerk von Arnold Schönberg in einer Interpretation von Glenn Gould (A structural analysis and reconstruction of Arnold Schoenberg). Die Vermessung der Schallplatte steht auch für das Verhältnis zwischen Zeit und Raum.
In den beiden unteren Räumen der Einsatzleitung befinden sich Schallplattencover, die Martin Creed bemalt hat. Ein Massenprodukt wird so zum Unikat und fordert zu einem entsprechend vorsichtigen Umgang auf.
Einen Höhepunkt unserer Music-Ausstellung bilden neue Arbeiten von Marino Formenti im ersten Stock der Einsatzleitung und in Garage 50. Marino arbeitet seit Jahren konsequent an der Hinterfragung seines Metiers, der Musik. Von der Kritik als „Glenn Gould des 21. Jahrhunderts“ und in Konzertsälen in New York, Paris, Wien oder London gefeiert, schafft er immer neue Räume der Begegnung, in denen auch die klassische Hierarchie – die Trennung von Performer und Rezipient – aufgehoben werden. Er arbeitet sowohl im musikalischen Kontext als auch im Bereich der Kunst (Art Basel, Mumok Wien) oder im performativen Bereich (Berliner Festspiele). Marino sucht die Begegnung auf Augenhöhe, so auch in der FAHRBEREITSCHAFT.
Für die Einsatzleitung hat er die Installation selber Künstler #1 entwickelt. Grundlage für diese Installation sind klangliche Abdrücke seiner Performance Seven studies of communication and musicianship, die er im Juli 2015 in der FAHRBEREISCHAFT durchführte: Sieben Begegnungen mit sieben ihm unbekannten Menschen, die in der FAHRBEREITSCHAFT arbeiten. Diese treffen dauerten jeweils einen vollen Tag. Die akustischen Ergebnisse dieser Zusammentreffen wurden zur Basis der Installation in den sieben Räumen der ersten Etage der Einsatzleitung. So ist gleichzeitig auch ein Sound-Portrait der FAHRBEREITSCHAFT – und damit der Bereitschaft des Menschen zur Musik – entstanden.
In der Performance one to one #2 verbringt Marino mit einem Piano elf Tage in der Garage 50. Vom 10. bis zum 20. September wird sie so zu einem öffentlichen und zugleich privaten Raum. Wir laden sie ein, Marino Formenti dort zu begegnen und Zeit mit dem Künstler im Dialog zu verbringen.
Für das ehemalige Reifenlager im Erdgeschoss haben wir Videos von Heimo Zobernig ausgewählt, die jeweils auch einen engen Bezug zur Musik haben. Im Video 38 zum Beispiel spielt die Flötistin Birgit Bauer unter einem Pappkarton eine Stimme einer Fuge über die Töne a, c und h. Der Name des Videos ist die Konfektionsgröße der Flötistin.
Quasi als visualisiertes Motto unserer akustischen Ausstellung zeigen wir im Treppenhaus vorne ein Ohr von Isa Genzken.
Der Künstler Phil Collins hat vor 10 Jahren die einfachen Leute in Bogotá (Kolumbien) eingeladen, das Album The world won’t listen“ (el mundo no escuchará) von The Smiths nachzusingen. Er sprach besonders die Schüchternen an, die Unzufriedenen und jeden, der eigentlich gern ein anderer sein wollte. Wir zeigen die Plakate. Mit denen er die Sänger gesucht hat.
Im angrenzenden Speisesaal ist eine Video-Installation von Edgar Arceneaux zu sehen. An arrangement without tormentors ist eine schwarz-weiß Doppelprojektion zweier Aufführungen der Komposition I want to dance des amerikanischen Konzeptkünstlers Charles Gaines, der auch gleichzeitig Lehrer von Arceneaux an der CalArts war. Links sehen wir Gaines selbst bei einer Aufführung während einer Ausstellungseröffnung in Los Angeles. Auf der rechten Seite führt die niederländische Pianistin Nora Mulder das Stück in Rotterdam auf.
Ari Benjamin Meyers hat im Kulturraum im zweiten Stock die Arbeit The new empirical (840hz) installiert. Den Ausgangspunkt bildet die Arbeit Vexations von Erik Satie. Ein modifizierter Konzertflügel aus dem Jahr 1893, aus dem auch das Stück von Satie stammt, ist so manipuliert worden, dass er lediglich eine Note, nämlich As Dur (840Hz) spielt. Das ist gleichzeitig die einzige Note, die nicht im Hauptthema des Stückes von Satie vorkommt.
Die Arbeit Vexations 2 besteht aus 840 von Meyers handgeschriebenen und aus dem Gedächtnis angefertigten Kopien der eine Seite umfassenden Komposition von Satie.
Im hinteren Treppenabgang hört man die Arbeit My mother cleaning my father’s piano von Jonathan Monk. Der Titel beschreibt unprätentiös genau das, was man hört und was Jonathan aufgenommen hat.
In den Gewölben des ehemaligen Weinkellers hämmert Martin Creeds Sound-Arbeit Work no. 122: All the sounds on a drum machine. Eine Maschine, die normalerweise für Stimmung sorgt, werkelt stoisch vor sich hin.

Axel Haubrok

Music, Installationsansicht
Music, Installationsansicht
Music, Installationsansicht
Music
Installationsansicht
Music, Installationsansicht
Music, Installationsansicht
Music, Installationsansicht
Music
Installationsansicht
Marino Formenti, Selber Künstler #1 (2015)
Marino Formenti, Selber Künstler #1 (2015)
Marino Formenti, Selber Künstler #1 (2015)
Marino Formenti
Selber Künstler #1
2015
Links: Martin Creed ork No. 1558 (2013); Rechts: Martin Creed Work No. 1370 (2012)
Links: Martin Creed ork No. 1558 (2013); Rechts: Martin Creed Work No. 1370 (2012)
Links: Martin Creed ork No. 1558 (2013); Rechts: Martin Creed Work No. 1370 (2012)
Links: Martin Creed
Work No. 1558, 2013

Rechts: Martin Creed
Work No. 1370, 2012
Phil Collins, El Karaoke de los Smith (2004)
Phil Collins, El Karaoke de los Smith (2004)
Phil Collins, El Karaoke de los Smith (2004)
Phil Collins
El Karaoke de los Smith
2004
Martin Creed, Work No. 122, (1995–2000)
Martin Creed, Work No. 122, (1995–2000)
Martin Creed, Work No. 122, (1995–2000)
Martin Creed
Work No. 122
1995–2000
Rodney Graham, Two movements for prepared Cello (2010)
Rodney Graham, Two movements for prepared Cello (2010)
Rodney Graham, Two movements for prepared Cello (2010)
Rodney Graham
Two movements for prepared Cello
2010
Edgar Arceneaux, An Arrangement Without Tormentors (2003/2004)
Edgar Arceneaux, An Arrangement Without Tormentors (2003/2004)
Edgar Arceneaux, An Arrangement Without Tormentors (2003/2004)
Edgar Arceneaux
An Arrangement Without Tormentors
2003/2004

Werkliste

Edgar Arceneaux
An arrangement without tormentors, 2003–04

Phil Collins
El Karaoke de Los Smiths (El mundo no escuchará), 2004

Phil Collins
El Karaoke de Los Smiths (Hang the DJ), 2004

Phil Collins
El Karaoke de Los Smiths (Pero no ovides las canciones), 2004

Martin Creed
Work no. 1558, 2013

Martin Creed
Work no. 1370: Chicago, 2012

Martin Creed
Work no. 122: All the sounds on a drum machine, 1995–2000

Marino Formenti
One to one #2, 2015

Marino Formenti
selber Künstler #1, 2015

Isa Genzken
Ohr, 1980/2004

Isa Genzken
Mutzi, 1992

Rodney Graham
Two movements for prepared Cello, 2010

Tim Lee
The Goldberg Variation, Aria, BMV 988, 1741, Johann Sebastian Bach (Glenn Gould, 1981) sheet music, 2007

Tim Lee
The Goldberg Variation, Aria, BMV 988, 1741, Johann Sebastian Bach (Glenn Gould, 1981) performance, 2007

Christian Marclay
Footsteps, 1989

Christian Marclay
Record without sleeve, 1985

Helmut Mark & Heimo Zobernig
Heimat, 1985/87

Ari Benjamin Meyers
The new empirical (840hz), 2013
Courtesy Esther Schipper, Berlin

Ari Benjamin Meyers
Vexations 2, 2013
Courtesy Esther Schipper, Berlin

Jonathan Monk
My mother cleaning my father’s piano, 2001

Stephen Prina
A structural analysis and reconstruction of Arnold Schoenberg: The complete music for solo piano, Glenn Gould, as determined by the difference between the measurements of duration and displacement, 1980

Ed Ruscha
Records, 1971

Santiago Sierra
Europe (National anthems of the 27 states of the European community played simultaneously and continuously), 2009

Heimo Zobernig
eS C H EIS Es, 1993

Heimo Zobernig
38, 1992