Shapes

13.1. –  2.4.2011
Strausberger Platz, Berlin

Martin Boyce, Tom Burr, Wade Guyton, Emily Jacir, Rodney McMillian, Stephen Prina, Florian Pumhösl, Daragh Reeves, Davis Rhodes, Günter Umberg, Christopher Wool

Eröffnung: 13.1.2011, 19 – 21 Uhr

In dieser Ausstellung werden ausschließlich schwarze Arbeiten gezeigt. Naturgemäß wird bei diesen Werken das Erscheinungsbild auf den ersten Blick durch den Umriss geprägt. Diese Shapes werden durch unterschiedliche künstlerische Techniken erzeugt: Sie reichen von minimalistischen Drucken über Fotografien, Materialbilder und Skulpturen bis hin zu Installationen.
Aber „schwarz“ ist noch lange nicht gleich „schwarz“. Durch die jeweilige Materialität ergeben sich die verschiedensten Oberflächen. Das beeinflusst natürlich, wie tief man in eine Arbeit hineinblicken kann. Die akribische Hinterglasmalereien Vervielfältigung von Bild No. 27 und 29 von Florian Pumhösl ist ein Beispiel dafür, das Pigmentbild untitled von Günter Umberg ein anderes.
Für mich ist aber noch ein ganz anderer Aspekt der Arbeiten wichtig: Der Kontext, die inhaltliche Intension des Künstlers, die Geschichte, die hinter der Arbeit steht.
Bei der großen Papierarbeit von Emily Jacir (From Paris to Riyadh (drawings for my mother) Juin/Juillet 1990) ist es die Zeitschrift, die sie ihrer Mutter aus Paris nach Riad mitgebracht hat und bei der sie Seite für Seite die Haut der abgebildeten Models mit Tusche abgedeckt hat, um sie den dort geltenden Regeln anzupassen. Das Kreuz von Wade Guyton (X sculpture) soll ursprünglich den Blick auf einen bestimmten Punkt in der Landschaft richten. In eine Ausstellungssituation geholt besticht bei der Betrachtung aus der Nähe auch die durch die Farbe aufgewühlte Oberfläche. Völlig andere Aspekte der Arbeit werden deutlich.
Der schlaffe Luftballon Balloon aus Ton ist ein Portrait, das Rodney McMillian noch zu Lebzeiten von Michael Jackson geschaffen hat. Die Höhe des Sockels entspricht der Größe des Popstars, die Gestaltung und die Beschaffenheit des Kopfes, der sich im Laufe der Zeit immer weiter auflöst, spricht für sich.
Martin Boyce hat eine Design-Ikone des 20. Jahrhunderts, einen Jacobsen-Stuhl, brachial zerstört und ihn anschließend mit Metallschienen, die Charles Eames zum Bau seiner Aufbewahrungsschränke verwendet hat, in ein äußerst fragiles gGeichgewicht gebracht. gleichzeitig zitiert er mit seinem Mobile (For 1056 endless hights) natürlich Alexander Calder und bringt den zerstörten Stuhl so auch in einen klassischen Kontext der bildenden Kunst.
Daragh Reeves hat die VHS-Kopie des berühmten „Dracula“-Filmes mit Bela Lugosi nach Maßgabe des szenischen Filmschnitts zerschnitten. Herausgekommen ist die Installation Everybody wants a piece of Dracula, bei der man das Blut förmlich die Wand herunterlaufen sieht. Wenn die Tür geöffnet wird, bewegt sich das Tape gespenstisch.

Axel Haubrok

Werkliste

Martin Boyce
Phantom limb (Sister), 2003

Martin Boyce
Mobile (For 1056 endless hights), 2002

Tom Burr
Put down III, 2003

Wade Guyton
Acria #8, 2003

Wade Guyton
Acria #12, 2003

Wade Guyton
Acria #17, 2003

Wade Guyton
Acria #19, 2003

Wade Guyton
Acria #24, 2003

Wade Guyton
Acria #25, 2003

Wade Guyton
untitled, 2008

Wade Guyton
untitled, 2006

Wade Guyton
X sculpture, 2005

Emily Jacir
From Paris to Riyadh (Drawings for my mother) Juin/Juillet 1990, 1999–2001

Rodney McMillian
untitled (From the series The clampetts), 2010

Rodney McMillian
Balloon, 2006

Stephen Prina
untitled, 2008

Florian Pumhösl
Vervielfältigung von Bild No. 27, 2009

Florian Pumhösl
Vervielfältigung von Bild No. 29, 2009

Florian Pumhösl
Aushang #1, 2007

Florian Pumhösl
Aushang #2, 2007

Daragh Reeves
Everybody wants a piece of Dracula, 2003

Davis Rhodes
untitled, 2007

Davis Rhodes
untitled, 2007

Günter Umberg
untitled, 1988/89

Christopher Wool
untitled, 2001